Trockene Augen und Bildschirmarbeit

Die Augen werden bei Bildschirmarbeit zu Höchstleistungen gezwungen. Da ist es keine Seltenheit, dass Nutzer von Displaysystemen über trockene, brennende, sandige, juckende, gerötete oder müde Augen, verschwommenes Sehen oder auch Kopfschmerzen klagen. Empirische Studien zeigen, dass diese Symptome bei Bildschirmarbeitsplatznutzern signifikant häufiger auftreten, als bei „konventionellen“ Büroarbeitsplätzen ohne oder mit geringer Tätigkeit am Bildschirm (s. Abb. 1, Degle, 2006, Nakaishi, 1999). Die genannten subjektiven Beschwerden können größtenteils den Symptomen der Keratoconjunctivits sicca, im Volksmund besser bekannt unter „trockenes Auge“, zu geordnet werden (Shimmura, 1999). In der Literatur wird häufig der Begriff Computer Vision Syndrome verwendet (Rosenfield, 2011).

Abb. 1: Vergleich des Auftretens von Beschwerden bei unterschiedlichen Arbeitsaufgaben nach subjektiver Befragung (nach Degle, 2006)

Abb. 1: Vergleich des Auftretens von Beschwerden bei unterschiedlichen Arbeitsaufgaben nach subjektiver Befragung (nach Degle, 2006)

Mögliche Ursachen

Faktoren, wie Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung können sich ebenso auf den Tränenfilm auswirken, wie Wärmeabstrahlung in klimatisierten Räumen oder Großraumbüros. Im Mittelpunkt stehen jedoch folgende zwei Faktoren (Ziemssen et al., 2005):

  • Normalerweise blinzeln Menschen etwa 20-40 Mal pro Minute. Durch die gesteigerte Konzentration wird die Lidschlagfrequenz auf bis zu unter 5 Lidschläge reduziert, was zu einer Symptomzunahme führt (Degle, 2006).
  • Da, im Gegensatz zum Lesen, die Augen bei Arbeit an Bildschirmen nicht nach unten gerichtet sind, vergrößert sich entsprechend die Lidspalte. Es ergibt sich eine größere Verdunstungsfläche des Tränenfilms (Tsuboti, Nakamori, 1993).

Funktion des Lidschlags für den Tränenfilm

Die gleichmäßige Benetzung der Hornhaut des Auges ist eine Voraussetzung für beschwerdefreies und scharfes Sehen. Regelmäßige Lidschläge sorgen in einer Art Scheibenwischerfunktion für eine gleichmäßige Verteilung des Tränenfilms und für eine Verbesserung dessen Struktur. Bei einer reduzierten Lidschlagfrequenz werden die verdunsteten Zonen nicht neu benetzt. Es kommt zu unscharfem Sehen und den typischen subjektiven Beschwerden (Ziemssen et al., 2005).

Maßnahmen bei trockenen Augen

Schon einfache Mittel können für eine Verbesserung sorgen:

  • Pausen bei Bildschirmarbeit
  • Durchführung von bewussten, regelmäßigen Lidschlägen

Weiterhin können Optometristen und Augenärzte durch spezielle Analysemethoden des Tränenfilms Defizite aufdecken und die Nutzung spezieller Tränenersatzpräparate empfehlen. Hier muss zunächst eine Unterscheidung in quantitative (Tränenmenge) und qualitative (Zusammensetzung) Störungen des Tränenfilms erfolgen (Sickenberger, 2010). Je nach Befund wird danach die optimale Versorgung abgestimmt.

Quellen und weiterführende Literatur

Degle, S., 2006: Arbeit und Sehen Eine interdisziplinäre Erklärung von Veränderung des Sehens durch Bildschirmarbeit [Dissertation], Universität Augsburg

Nakaishi, H., 1999: Abnormal tear dynamics and symptoms of eyestrain in operators of visual display terminals, Occup Environ Med, 56, 6-9

Rosenfield, M., 2011: Computer vision syndrome: a rewiev of ocular causes and potential treatments, Opththalmic Physiol Opt, 31, 502-511

Schlothe, T. et al., 2004: Marked reduction and distinct patterns of eye blinking in patients with moderately dry eyes during video display terminal use, Graefe’s Arch Clin Exp Ophthalmol, 242, 306-312

Shimmura, S., 1999: Results of a population-based questionnaire on the symptoms and lifestyle associated with dry eye. Cornea 18, 408-411

Sickenberger, W., 2010: Klassifikation von Spaltlampenbefunden, Verlag Ciba Vision Vertriebs GmbH

Tsubota, K., Nakimori K., 1993: Dry Eyes and video display terminals, New Engl J Med, 328, 584-589

Tsubota, K., Nakimori K., 1995: Effects of ocular surface area and blink rate on tear dynamics, Arch Ophthalmol, 113, 155-158

Ziemssen, F., et al., 2005: Lidschlagaktivität während der Bildschirmarbeit, Opththalmologe, 102, 805-811